Mini-Kreuzfahrt nach Oslo

Mini-Kreuzfahrt nach Oslo

Donnerstag, 24.Oktober 2024

Für meinen Geschmack ging heute alles viel zu glatt. Der Regionalexpress nach Spandau um 5:58 Uhr war pünktlich, der ICE nach Hamburg war fast leer, wir hatten ein Viererabteil mit Tisch für uns alleine und in Hamburg stand der RE 70 nach Kiel am Bahnsteig gegenüber und war auch nicht voll. Niemals mussten wir länger als 5 Minuten auf den Anschlusszug warten. Wir fuhren im ICE mit 250 km/h durch eine malerische norddeutsche Weideland-Tiefebene mit grasenden Rindern bei nebligen Sonnenaufgang und jeder Blick aus dem Fenster war ein preisgekröntes Landschaftsfoto.
In Kiel empfängt uns strahlend blauer Himmel und der Hafen ist keine 10 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof entfernt. In einem Zeitungsladen kaufen wir einen Oslo-Reiseführer, eine Geburtstagskarte für Tante Thea sowie eine Lesebrille für Susanne.
Im Café „Blauer Engel“ gegenüber teilen wir uns ein Vollkornfrühstück.
Im ColorLine-Fährterminal erfolgt der Check In am Automaten und Boarding Time ist um 13:15 Uhr. Dann geht`s über eine kilometerlange Gangway in den Bauch des Riesenschiffs. Drinnen sieht es aus wie in Las Vegas. Auf insgesamt 15 Decks befinden sich die Passagierkabinen, ein Fitnesscenter, ein Spielcasino, ein Nachtclub, ein Badeparadies, mehrere Shopping Malls und Tax Free Shops sowie diverse Restaurants und was weiß ich nicht noch alles. Mindestens ein Dutzend Glas-Fahrstühle flitzen ständig rauf und runter.
Wir wohnen auf Deck 10 in einer Doppelbett-Außenkabine Nr. 10422 mit Dusche/WC und Riesen-Bullauge.
Zur Abfahrt gehen wir aufs Sonnendeck und laufen dann die drei offenen Decks ab bis wir Laboe passieren.
In der Manhattan-Bar im riesigen Heckpanorama des Schiffes gönnen wir uns bei Klaviermusik den ersten Drink des Abends und warten auf den Sonnenuntergang.
18:00 Uhr ist Abendbrotzeit im Grand Buffett auf Deck 6. Dazu gibt es Livemusik vom Piano.
Vor dem Einschlafen noch Livemusik in der runden Skybar auf Deck 15.

Freitag, 25. Oktober 2024

Um 10:00 Uhr laufen wir in den Hafen von Oslo (der Norweger sagt Uschlu) ein. Wir nehmen uns ein Bolt und bezahlen für die 5 Minuten bis zum Hotel 350,- Kronen. Unser Zimmer ist schon fertig und wir bringen unser Gepäck hinauf und laufen ziemlich ziellos erstmal los in Richtung Altstadt. Es geht auf 11:00 Uhr langsam würde ich gerne etwas essen, denn ein Frühstück hatten wir auf der Fähre nicht gebucht. In einem großen Gebäude, an dem wir vorbeikommen befindet sich eins dieser derzeit angesagten food courts, aber weder Tapas noch Burger noch Sushi noch vegane Bowls können uns begeistern. Wir essen schließlich auf dem S-Bahnhof Nationaltheatret bei einem Bäcker einen Snack. Unmittelbar hinter dem Bahnhof beginnt der Schlosspark mit dem Königlichen Schloss. Im Gegensatz zu den meisten Schlössern in Europa ist das norwegische Königsschloss auch der royale Hauptwohnsitz und kann deshalb die meiste Zeit des Jahres nicht betreten werden. Gebaut wurde es zwischen und 1823 und 1843 und sollte ursprünglich 8 Stockwerke haben wovon dann doch nur drei realisiert wurden. Trotzdem hat es 172 Zimmer.
Gegenüber dem Schloss beginnt Oslos Prachtmeile Karl-Johans-Gate, die vorbei an Universität, Nationaltheater, Stortinget (Parlament) und Domkirche bis zum Osloer Hauptbahnhof (sentralstasjon) verläuft. Auf halber Strecke essen wir einen Pölser und ein Lakritz-Eis. Es ist ungewöhnlich mild für Ende Oktober.
Auf dem Hauptbahnhof suchen und finden wir endlich ein Klo und stehen beim Verlassen gegenüber der einzigartigen Osloer Oper. Der kann man aufs Dach steigen und bekommt dabei ein faszinierendes Panorama des gesamten Hafens geboten. Gleichzeit fühlt man sich durch die eigenartige Architektur des Gebäudes in ein kubistisches Gemälde versetzt.
Einen Trip mit der Straßenbahn zum Skulpturenpark müssen wir verschieben, da die Tram Nr. 12 heute aus Gründen nur bis Aker brygge fährt. Das wiederum befindet sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel und da wir ziemlich kaputt sind schlafen wir auf unserem Zimmer zu Klängen aus Edvards Griegs Oper Peer Gynt ein.
Aker brygge ist mittlerweile ein ziemlich cooles Viertel obwohl es früher ein Industrie- bzw. Werftgebiet war. Bis in die 80er Jahre wurden hier Bohrinseln gefertigt. Jetzt befinden sich in den alten Fabrikhallen alle möglichen Event locations aber auch Wohnungen und Büros. Dazwischen viel Kunst in Form von Skulturen und moderne Glasgebäude. Hier lässt es sich sehr schön flanieren. Selbst jetzt nach Einbruch der Dunkelheit kann man draußen sitzen und sieht u.a. auf die gegenüberliegende alte Festung Akershus.

Sonnabend, 26. Oktober 2024

Frühstück im Untergeschoss und dann wieder hingelegt bzw. Zeitung gelesen. Um 10:00 zur Aker Brygge gelaufen. Die Tram Nr. 12 fährt immer noch nicht Richtung Vigelandsparken. Jetzt wissen wir aber auch warum: Am Solli Platz wird gebaut und man muss dort umsteigen. Das kombinieren wir aus den für uns kryptischen Botschaften am Haltestellen-Display. Letztendlich erreichen wir den Eingang dieses Parks. Er ist der größte Skulpturenpark der Welt, der von einem einzelnem Künstler erschaffen wurde, und zwar von Gustav Vigeland von 1923 bis 1943. Es sind 212 Bronze- und Naturstein-Plastiken von nackten Menschen in allen möglichen Stationen und Situationen des menschlichen Lebens. Höchster Punkt ist die 17 m hohe Monolith genannte Säule. Sie ist aus einem 270 Tonnen schweren Granitblock gehauen, stellt 121 Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten dar und Gustav arbeitete 13 Jahre daran. Der gesamte Park entfaltet jetzt mit seinem herbstlich gefärbten Laub einen besonderen Reiz.
Wir laufen etwa 1 km zur nächsten Bushaltestelle, von wo die Linie 30 zur Halbinsel Bigdøy fährt. Dort befinden sich u.a. das Norsk Folkemuseum, ein Freilichtmuseum über norwegische Geschichte als auch einige maritime Museen. Beim Folkemuseum steigen wir aus und gleich wieder ein in den Bus als wir merken, dass hier heute irgendein Kinder-Halloween-Happening stattfindet. Zu viele Familien mit ihren als Hexen und Zauberern verkleideten Kindern.

Also weiter zu den maritimen Museen. Eins davon widmet sich dem Vermächtnis von Thor Heyerdahl – und jetzt wird’s richtig interessant:

Ausgestellt sind im Original das Floß Kon-Tiki und das Reet-Boot RA II. Der Anthropologe Heyerdahl hat mit seinen spektakulären Expeditionen nachzuweisen versucht, dass z.B. Polynesien im Pazifik eher von Südamerika aus besiedelt wurde als wie immer behauptet von Asien aus. Jetzt erst mögliche DNA-Untersuchungen geben ihm Recht. Mit der RA-Expedition versuchte er zu beweisen, dass es schon vor Kolumbus kulturellen Austausch über den Atlantik gegeben haben muss. Sein Dokumentarfilm über die Kon-Tiki-Expedition bekam seinerzeit einen Oscar. Eine kleine Broschüre der Ausstellung kaufe ich mit Bargeld und werde dabei angeguckt wie ein Außerirdischer. In Norwegen läuft alles bargeldlos. Ich sage, ich sammle Münzen.
Abends laufen wir noch mal im Dunkeln erst am Wasser dann durch die Altstadt Richtung Oper und gehen da durchs Foyer aufs Klo. Vor der Oper liegt eine schwimmende Sauna. Über Sentralstasjon und die Karl-Johans-Gate laufen wir zurück und trinken in einem Pub namens Dr. Jekyll ein Guiness bzw. ein Lager.

Heute 20.000 Schritte!

Sonntag, 27. Oktober 2024

Dank der Umstellung auf Winterzeit ist dieser Urlaub eine Stunde länger. Draußen regnets. Wir frühstücken um neun im Untergeschoss und legen uns wieder hin. Die Wetter-App prophezeit, dass ab zwölf die Sonne hervorkommt. Wir gehen zu den Ablegestellen der Schären-Fähren, setzen uns bei einer aufs Sonnendeck und drehen eine Runde. Die Fähre legt an verschiedenen Inseln an und die Leute steigen ein und aus. Viele besuchen ihr Wochenendhäuschen. Von der Fähre aus hat man einen tollen Blick auf Oslo. Nach gut ner Stunde legen wir wieder in Aker Brygge an. In der Nähe liegt die Festung Akershus. Sie stammt aus dem 14. bzw. 17. Jhrd. und bildete früher das Bollwerk zur Verteidung Oslos. Da sie etwas erhöht liegt, hat man einen schönen Blick über den Oslofjord und die Innenstadt.
König Håkon VI. ließ im 14. Jhrd. auf der Festung ein Schloss errichten. Ab 1397 gehörte Norwegen mehr oder weniger zu Schweden und Dänemark. Der dänische König Christian IV. ließ ab 1624 das Schloss im Renaissance-Stil modernisieren.
Die Festung wurde in den letzten 600 Jahren fünfmal erfolglos belagert. Besetzt war sie allerdings nur einmal, und zwar durch die deutschen Nazis von 1940 bis 1945. Neben mehreren Behörden, auch militärischen, gibt es auf der Festung ein Widerstandsmuseum.
Zwischen den Wallanlagen kloppen sich gerade ein paar gut gepolsterte „Ritter“ mit ihren Schwertern.
An das Festungsgelände grenzt der Stadtteil Kvadraturen. Tatsächlich findet man in Oslo keinen wirklichen mittelalterlichen Stadtkern wie z.B. in Stockholm oder Tallin. Die ursprüngliche weiter östlich gelegene Stadt wurde 1624 bei einem Brand fast vollständig zerstört und Christian IV. ließ im Schatten der Festung Akershus eine neue Stadt errichten. Das merkt man bis heute an rechtwinkligen und im gleichmäßigen Abständen verlaufenden Straßen. Die neue Stadt hieß dann auch Christiana.
Heute wird’s ’ne Stunde früher dunkel und wir haben Appetit auf Asiatisch. Nach mehreren Restaurants, die uns zu voll oder zu versnobt erscheinen, landen wir im Gold Mountain direkt hinter dem Rathaus und sind fast die einzigen Gäste. Unsere Kellnerin versteht nicht wirklich englisch und nachdem Susanne mehrfach den Wunsch geäußert hat, dass sie Stäbchen haben möchte, bringt sie uns – einen Teller.
Nebenan kaufen wir in einem Souvenier-Shop Norweger-Mützen, Ansichtskarten sowie Briefmarken für mehr als 1000,- Kronen.

Montag, 28. Oktober 2024

Frühstück ein letztes Mal im Untergeschoss, danach wieder eingeschlafen. Wir könnten bis 12:00 Uhr im Hotel bleiben, da aber draußen schönes Wetter ist ckecken wir schon um elf aus und setzen uns mit unserem Gepäck ans Wasser. Susanne schreibt noch ein paar Karten und um zwölf machen wir uns zu Fuß auf in Richtung Fährterminal und brauchen dafür nur zehn Minuten. Wir dürfen erst um 13:15 Uhr aufs Schiff, vorher sind wie in Kiel die Tagesausflügler dran. Pünktlich um 14:00 startet der Pott und es ist diesmal das Schwesternschiff der Color Magic, die Colo Fantasy, weswegen wir uns von Anfang an gut zu Recht finden. Kabinen Nr. ist 10920, die ist zwar etwas kleiner hat aber auch ein großes Bullauge, diesmal zur Steuerbordseite. Im Tax free Shop, diesmal auf Deck 6, kaufen den üblichen Kram, wie Süßigkeiten, Bier sowie Rentier- und Elchfleischwurst. Um fünf geht die Sonne unter, was wir uns vom freien Oberdeck aus ansehen. Um sechs gibts wieder großes Buffett. Das Ehepaar am Nebentisch kommt aus Flensburg und macht die Minikreuzfahrt nach Oslo mehrmals im Jahr, hauptsächlich wegen der Show am Abend. Abends wieder Live Musik in der Sky Bar.

Dienstag, 29. Oktober 2024

Ankunft um 10:00 Uhr. Kiel empfängt uns regnerisch und grau. Vor dem Hauptbahnhof demonstriert die IG Metall für 7% mehr Lohn. Wir deponieren unser Gepäck im Schließfach und laufen quer durch Kiel bis zum Rathaus. Zurück am Hafen bestellt sich Susanne die Große Garnelenplatte bei Gosch. Hier warten wir die meiste Zeit bis unser Zug nach Hamburg abfährt und sehen dabei zu, wie unsere Fähre wieder Richtung Oslo startet.
Alle Züge pünktlich. Sind um 21:00 Uhr wieder Hause.

6 Kommentare zu „Mini-Kreuzfahrt nach Oslo

  1. Seid ihr denn schon einmal in Las Vegas gewesen?
    Dann wünsche ich weiter gutes Gelingen, damit es ein rundherrum toller Urlaubstrip ist.

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