Fahrradtour nach Rostock
Es geht vom nördlichen Rand der Hauptstadt an die Ostsee nach Rostock, eine Strecke, die wir schon ein paar Mal mit dem Zug, einmal mit dem Flixbus sowie bestimmt an die hundert Mal mit dem Auto zurück gelegt haben. Diesmal nun mit dem Fahrrad.
Erste Etappe
Velten – Mildenberg
Montag, 06. Mai 2019

Vor dem Start kommt eine leicht gereizte Stimmung auf – aber wir haben mittlerweile unsere Rituale entwickelt damit die Situation nicht eskaliert:
Susanne feudelt die Küche nochmal durch und ich meditiere auf der Wohnzimmercouch. Eilig haben wir es eh nicht.
Was nimmt man mit und auf was kann man verzichten, wenn man 5 Tage nur die Satteltaschen für sein Zeug hat? Wir haben 4 Übernachtungen in Hotels/Pensionen gebucht, brauchen also keinerlei Handtücher oder ähnliches. 5 Schlüpper, 3 T-Shirts, 2 Paar Socken für jeden reichen eigentlich. Dazu kommt regenfeste, mehrlagige Oberbekleidung, die man ja eh am Körper trägt. Und natürlich Handy-Ladekabel.
Um zehn gehts endlich los. Wir fahren über Leegebruch nach Oranienburg und stoßen dort ab der Lehnitzer Schleuse auf den offiziellen, gut ausgebauten und markierten Radfernweg Berlin-Kopenhagen. Ab hier wird es richtig schön, da wir asphaltiert entlang des Oder-Havel-Kanals dahingleiten. Nur der Wind stört etwas und richtig warm ist es auch nicht. Glücklicherweise stimmten die Vorhersagen diverser Wetter-Apps nicht, denn die hatten für den heutigen Montag alle Regen angekündigt.
Teilweise führt der Weg durch zartgrünen Birkenwald dann über eine Brücke und wir begegnen selten irgendjemanden, wenn dann Radfahrer in entgegengesetzter Richtung. Die wenigen Dörfer, die wir durchqueren wirken sehr verschlafen.
In Liebenwalde machen wir an einer Klappbrücke Pause und essen an einem Imbiss ein paar Wiener bzw. ein Matjesbrötchen.
Ab Bischofswerder fahren wir entlang des Vosskanals, der etwa 10 km lang schnurgerade bis Zehdenick parallel zur stark mäandernden Schnellen Havel verläuft. Zu verdanken haben wir den Vosskanal dem Hunger Berlins nach Baumaterial in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er verband die Tonverkommen und Europas größte Ziegeleifabrik Mildenberg mit der Reichshauptstadt. Der massive Tonabbau nördlich von Zehdenick damals sowie die anschließende Flutung der Gruben und spätere Renaturisierung führte zu einer einzigartigen Gewässerlandschaft, die heute gewinnbringend touristisch genutzt wird.
Gegen drei erreichen wir unsere Pension „Alter Hafen“, direkt am Ziegeleipark und bekommen ein Zimmer im Obergeschoss eines Nebengebäudes, das sicher mal ein Stall war. Es ist aber komfortabel mit IKEA ausgestattet. Jetzt fängt es leicht an zu nieseln. In einem Marina-Shop kaufen wir Zahnbürsten und -pasta sowie Bier.
Da es hier weit und breit keinen Supermarkt gibt, speisen wir im Restaurant der Pension und gehen zeitig schlafen. WLAN gibt es nur im Hauptgebäude.

Zweite Etappe
Mildenberg – Fleether Mühle
Dienstag, 07. Mai 2019
Nach einem dekadentem Frühstück checken wir 9:45 Uhr aus und verlassen den Ziegeleipark. Über eine wenig befahrene Landstraße kommen wir durch Ribbek – hier gibt es aber keinen Birnenbaum, denn wir sind nicht im Havelland. Der nächste Ort heißt Zabelsdorf und vor Dannenwalde verlassen wir wieder den Radfernweg Berlin- Kopenhagen, denn unsere Fahrradnavi-App leitet uns Richtung Rheinsberg und nicht über Fürstenberg. Grund ist unsere nächste Unterkunft in Fleether Mühle aber bis dahin sinds noch über 50 km. Der Gegenwind ist ganz schön nervig. Der Fahrradweg verläuft meist parallel zur Landstraße und ist zwar asphaltiert, weil er aber schon ein paar Jahre alt ist, kommen die Wurzel der Alleebäume durch den Belag und machen ihn zu einer wahren Cross-Strecke. Entlang des Großen und des Kleinen Wentowsees gehts nun malerisch und entspannt nach Zernikow, wo wir im dortigen Gutshof-Garten kurz rasten. Der nächste Ort heißt Menz und liegt am Roofsee. Auch hier wird viel in die touristische Infrastruktur investiert. Auf den letzten 12 km bis Rheinsberg geht es kräftig auf und ab – man könnte meinen, wir sind in Thüringen. Einmal müssen wir sogar absteigen und schieben.
In Rheinsberg rollen wir direkt auf das Schloss zu, in dem Kronprinz Friedrich seine Jugend verbrachte, sparen uns aber einen Besuch im Schlosspark, denn hier sind genug Rentnergruppen unterwegs. Im Seepavillion trinken wir ein kleines Hefeweizen sowie ein Radler und teilen uns einen Eisbecher.
Weiter Richtung Norden nach Zechlinerhütte und nach weiteren 4 km überfahren wir bei Prebelow die Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern. Nochmal 5 km auf einer verlassenen Waldstrasse, auf der sich in Sichtweite Wildschweine im Unterholz tummeln und dann erreichen wir endlich Fleether Mühle.
Den Zimmerschlüssel bekommen wir im Imbiss-Biergarten. Das ganze Gelände entpuppt sich als eine ehemalige VEG Geflügelproduktion in dem die Hühnerställe gerade zu einer Eventlocation umgebaut werden. Gegenüber liegt ein FKK-Campingplatz dessen Betreiber unseren Gastgeber permanent mit Klagen wegen Ruhestörung u.a. belästigt. Wir sind heute abend die einzigen Gäste, weswegen wir sogar noch ein eigenes Lagerfeuer bekommen. Beim Abendbrot serviert uns der Chefkoch seine tolle Soljanka. Nachdem wir uns etwas ausgeruht und geduscht haben, lädt uns ein Angestellter der Anlage zum Lagerfeuer und zum 58%-igen Rachenputzer ein. Wir sollen ihn Treckerfahrer Basti nennen und er versorgt uns großzügig mit Getränken.

Dritte Etappe
Fleether Mühle – Waren (Müritz)
Mittwoch, 08. Mai 2019
Wir haben gut geschlafen und ich gehe in den Duschraum. Wir sind die einzigen Gäste des Ferienparks Fleether Mühle und frühstücken im Biergartenzelt. Basti versucht uns mit Anektoten zu bespaßen. Mir ist noch schlecht vom Rachenputzer gestern abend und ich lege mich nochmal hin. Um 11:00 Uhr verabschieden wir uns auch von Hündin Nele, die uns ein wenig an Elvis erinnert (auch Dackel-Terrier-Mix, auch die Farbe stimmt überein). Susanne macht ein Foto von Nele um es dann Elvis zu zeigen.
Die erste Strecke Richtung Mirow ist etwas holperig, dann wirds besser. In Mirow steht ein schönes Schloss auf einer Insel im Mirower See. Hier wurde 1744 Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz geboren, die 1762 den englischen König Georg III. heiratete und Königin von Großbritannien wurde.
Kurzer Stopp an einem Kiosk in der Nähe des Schlosses und dann beginnt hinter dem Ortsausgang eine 10 km lange schnurgerade Fahrradstraße fernab jeglichen Verkehrs. Außerdem haben wir Rückenwind. Dann geht es durch Feriendörfer, wir überqueren die Elde und fahren dann ein Stück entlang dem Ufer der Müritz. Und jetzt wirds gelb: blühender Raps soweit das Auge schauen kann. Jetzt kommen wir nach Röbel – kannte ich bis jetzt nur als Autobahnabfahrt von der A19. Vom Städtchen Röbel war ich überrascht, eine nette kleine Hafenstadt mit wunderbar restauriertem Altstadtkern. Wir setzen uns am Hafen auf eine Bank schauen aufs Wasser.
Die restlchen 20 km bis Waren radeln wir zwar auf einem separatem Fahrradweg neben der stark befahreren Landstraße, aber es geht teilweise stark bergan und wir haben permanent Gegenwind. Das ganze schlaucht so sehr, dass wir 10 km vor dem Ziel noch mal eine Pause machen müssen. Kurz vor fünf erreichen wir unser Hotel zwischen den Seen und stellen die Fahrräder in einen Holzschuppen. Auf dem Zimmer fallen wir aufs Bett und schlafen sofort ein. Nach einer Stunde weckt uns der Hunger und wir humpeln zum Edeka, kaufen Salat, Rollmops, Brot und Geflügelwiener und setzen uns dann auf eine Bank in der Altstadt.
Nachdem Dunkelwerden laufen wir noch einmal die nähere Umgebung ab.

Vierte Etappe
Waren (Müritz) – Güstrow
Donnerstag, 09. Mai 2019
Frühstück im Hotel und um zehn holen wir die Räder aus dem Schuppen und fahren kurz zum Altstadtmarkt um Postkarten in einen Briefkasten zu werfen. Diese bunten Karten werden nun von der Post an den Empfänger befördert und schwupps! zwei oder drei Tage später bekommt dieser dann liebe Urlaubsgrüße mitsamt einem bunten Foto. Genial!
Wir radeln kurz zum Hafen – hier liegen viele kleinere und größere Motorjachten – und vorbei an durchaus mondänen Villen entlang von Binnenmüritz und Kölpinsee raus aus der Stadt. Über Jabel und durch Klein und Groß Garz fahren wir teils über Landstraßen, extra angelegte Fahrradstraßen sowie Knüppeldamm und sandige Waldwege. Auf einer engen alten Allee muss ein Bauer mit seinen Riesen-Rasenmäher anhalten um uns vorbei zulassen. Dabei kommt es zu einem kurzen Schnack und er ist ganz erstaunt als er erfährt, dass Weimar nicht in Sachsen sondern in Thüringen liegt, denn die Maschine, auf der er fährt kommt aus dem VEB Fortschritt Weimar.
Nachdem wir bei Linstow die A19 überquert haben, kommen wir an dem Spaß-Ressort mit dem großen Vogel vorbei und danach auf einer relativ stark befahrenen Landstraße nach einigen Kilometern nach Krakow am See. An der Seeterasse machen wir es uns auf einer Bank bequem. Der Himmel reißt auf und wir beobachten Enten, Möwen und Blesshühner sowie einen Rudertrainer, der von seinem Motorboot aus zwei junge Laiensportler trietzt. Dabei essen wir die Bananen, Äpfel und Käsetaler von gestern auf.
Nach gut einer Stunde fahren wir weiter und kommen in ein Waldgebiet, wo wir lange nur auf sandigem Waldboden fahren. Der Mobilfunkempfang ist hier gleich null, und die Karte auf dem Handy bleibt schwarz – unser Weg ist aber weiter sichtbar denn die Satelliten haben uns nach wie vor im Blick.
Bei Kirch Rosin (klingt wie in Bayern) kommen wir wieder aus dem Wald und fahren nun wieder ein Stück den offiziellen Fernradweg Berlin-Kopenhagen auf dem wir bis Güstrow bleiben. Beim Passieren des Ortsschilds beginnt’s zu regnen und im Hotel haben sie unser Zimmer im Sweet Dream Hostel am Markt noch nicht fertig (16.30 Uhr!). Wir lassen die Taschen trotzdem dort und gehen zum Eiscafé Hahn und bestellen uns zwei große Eisbecher.
Abend’s essen wir Dönerteller und Pizza im Ali Baba Grill um die Ecke.

Fünfte Etappe
Güstrow – Rostock
Freitag, 10. Mai 2019
Frühstück beim Supermarkt-Bäcker und Start zur letzten Etappe um 10:00 Uhr. Wir verlassen Güstrow in nordwestlicher Richtung und kommen auf einer Landstraße durch die Dörfer Lüssow (nein, nein – nicht das Lüssow) und Goldewin nach Mistorf, wo wir bei einem Imbiss Wasser und Scheibenkäse kaufen. Ab Schwaan fährt man wieder auf einer gut ausgebauten Fahrradstraße, die nach einem kurzen Anstieg einen Superausblick bietet. Genau jetzt fängt es stärker an zu regnen und wir suchen Schutz in einem Pavillion wo wir den Käse essen und Gerhard anrufen, um ihm zu seinem 92. Geburtstag zu gratulieren. Dann weiter auf der schönen Fahrradstraße und bald darauf überqueren wir die A20 und sind dann ziemlich bald in Biestow, das schon zu Rostock gehört. Ab hier geht alles ganz schnell: wir fahren durch die Südstadt an Stadthalle und Hauptbahnhof vorbei und stehen gegen halb drei am Ziel unserer Reise. Nachdem wir unsere Satteltaschen in den vierten Stock geschleppt haben werden wir herzlich von Anna und Max begrüßt.


10 Kommentare zu „Fahrradtour nach Rostock“
Na dann los. Viel Spaß.
Treckerfahrer ? Ich kenn da so einen Witz übers Treckerfahren. Wollt ihr den hören?
Heute seid ihr richtig kaputt. Übermorgen habt ihrs ja geschafft.
Sach ma, liest das hier denn keiner?
Danke für dein fleißiges Kommentatieren aber so interessant sind wir dann ja auch. Sind mittlerweile in Güstrow angekommen
Danke für das feedback. Ich dachte schon, dass ich was falsch gemacht hab. Morgen wollt ihr dann wohl in Rostock ankommen. Und dann die ganze Tour wieder retour? Oder kommt ihr noch in Stralsund vorbei?
Nein, wir fahren Sonnabend mit dem Zug zurück.
Hallo da, ich lese auch fleißig. Es macht immer wieder Lust, so etwas selbst mal zu machen. Nur, wärmer sollte es sein 🙂 Noch viel Spaß und Grüße an die Ostsee!
Zur Fleether Mühle wäre noch zu erwähnen: die sanitären Anlagen sind sehr sauber und modern. Das Zimmer war praktisch und bequem eingerichtet, Riesenberg ist megatoll und bisher hat es die optimale Matratze. Baggerfahrer Basti legt sich mächtig ins Zeug, die Außenanlagen zu erweitern, für Zeltler( auch eigene Küche vorhanden),Plätze werden planiert, Holzhäuser aufgebaut,für günstige Schlafplätze und Wege angelegt zum erkunden der näheren Umgebung. Eigener Bootssteg ist vorhanden, zum anlegen oder ausleihen von Boten oder Kajaks
Zur Fleether Mühle wäre noch zu sagen: sanitäre Anlagen sind sehr modern und sauber, natürlich als Gemeinschaftsanlage zu benutzen. Zimmer war praktisch und super bequem eingerichtet. Baggerfahrer Basti ist unermüdlich mit Außenarbeiten beschäftigt, um das Zelt und Campingareal zu erweitern, Wege anzulegen. Holzhütten werden aufgebaut für günstige Übernachtungen.
Ein eigener Bootssteg lädt ein zum Ankommen mit eigenem Boot oder Ausleihen von Booten und Kajaks. Ein Lagerfeuer am Abend beschließt so machen fröhlichen Biergarten Besuch in Fleether Mühle. Sehr Empfehlenswert, da Abenteuerliche Auszeit in uriger Natur zu genießen ist. Wir kommen wieder!