Emilia-Romagna – Primavera 2023
15./16. März
Salzburg Hauptbahnhof
Unser ÖBB Nightjet NJ295 kommt pünktlich 21:52 Uhr aus München an und wir haben zehn Minuten Zeit zum Einsteigen. Alles klappt wunderbar: wir beziehen unser Zweier-Schlafabteil und füllen die Frühstücks-Wunschliste aus. Jeder Gast bekommt eine Tüte mit Knabberzeug, Wasser, einem Waschlappen, eine Schlafmaske und ein Paar ÖBB-Nightjet-Hausschuhe. Allerdings kann ich nicht wirklich gut schlafen und um 5:00 Uhr ist die Nacht auch schon wieder vorbei. Nach Kaffee und Schrippe im Abteil erreichen wir um 5:40 Uhr Bologna Centrale. Draußen ist es noch dunkel.


Im Bahnhof haben die Restaurants noch geschlossen, wir haben 1° über Null und es ist ziemlich zugig. Um sechs machen dann die ersten Cafeterias auf. Halb sieben dämmert es draußen. Unseren Mietwagen können wir eigentlich erst um 10:00 Uhr gegenüber dem Bahnhofsgebäude abholen, deswegen steigen wir in einen Linienbus mit Aufschrift „CIRCULANO“ und der kutschiert uns tatsächlich fast eine Stunde lang rund um das Centro Storico und passiert dabei all die erhaltenen historischen Stadttore.
Den Mietwagen, einen kleinen weißen Lancia, holen wir dann schon um neun und sind gegen zehn Uhr im B&B Il Melograno in einem Vorort von Modena namens Formigine. Obwohl wir erst um 16:00 Uhr offiziell einchecken sollten, sagt die freundliche Wirtin, dass unser Zimmer in einer Stunde bereit ist und wir solange bei Kaffee und Keksen auf ihrer Veranda ihren sechs Katzen Gesellschaft leisten sollen, was wir auch tun.


Dann überkommt uns die Müdigkeit und wir fallen in eine zweistündige Ohnmacht. Gegen zwei kommen wir wieder zu uns und fahren bei strahlend blauem Himmel in die nahe gelegene Altstadt von Formigine, wo sich an einer mittelalterlichen Piazza ein schönes Castello mit einer Hängebrücke sowie gegenüber die Kirche des hlg. Bartholomäus (Chiesa Parrocchiale di San Bartolomeo Apostolo) befindet. Wir hätten gerne ein Eis gegessen, aber selbst im größten Café am Platz bekommt man noch keins. Als wenn alle vom schnellen Frühling überrascht wurden. Gerade als wir uns hier auf einer Bank niederlassen um die Strahlen der Frühlingssonne zu genießen tritt ein Monsignore im lila Talar aus der Kirche und ein grauer Maserati mit Überlänge fährt vor, aus dem ein Sarg entladen und in die Kirche geschoben wird. Die Trauergemeinde versammelt auf der Piazza und trägt sich in ein Kondolenzbuch auf einem Tisch mit Bild des Verblichenen am Kircheneingang ein.



Wir laufen zurück zum Bahnhof und fahren mit einem modernen Regionalzug in einer knappen halben Stunde nach Modena und um 17:30 Uhr wieder zurück. Anschließend in einem riesigem coop-Supermercato Salat, Käse, pane integrale und Bier gekauft.
Freitag, 17. März 2023
Bologna
Nach dem Frühstück, das uns unsere Wirtin zubereitet hat, legen wir uns wie meistens im Urlaub wieder hin und fahren gegen elf nach Castelfranco Emilia, um von dort mit einer Regionalbahn nach Bologna hineinzufahren. Das soll uns die Parkplatzsuche im Stadtzentrum ersparen. Kurz hinterm Ortseingang von Castelfranco Emilia wird unser Auto von einem Polizeiauto angehalten und zu einer Tankstelle gewunken. Ich war mir gar keiner Regelverletzung bewusst. Die Beamten lassen sich meinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere geben und verschwinden damit in ihr Auto. Kurz darauf sagen sie uns, dass es irgendeine Meldung bzgl. dieses Autos gäbe und sie das prüfen müssen. Nach ein paar Minuten bekommen wir alles wieder und dürfen weiterfahren.
Am Bahnhof Castelfranco Emilia kaufen wir uns biglietti a €3,50 für den Zug nach Bologna Centrale, wo wir eine knappe halbe Stunde später ankommen. Hier ist jetzt wesentlich mehr los als gestern um halb sechs Uhr früh. Mit einem Bus fahren wir ins centro storico und laufen zur Piazza Maggiore. Hier befindet sich die Basilica di San Petronio. Sie ist die fünftgrößte Kirche und die größte Backsteinkirche der Welt und obwohl schon 1390 mit dem Bau begonnen wurde, steht bis jetzt nur der riesige Hauptflügel. Leider öffnet sie erst um 15:00 Uhr und wir gehen ein paar Straßen weiter und essen in einem kleinen Park jeder ein Eis. Das historische Zentrum von Bologna ist berühmt für seine zahlreichen Bogengänge, die sich in der Länge auf ca. 40 km aufsummieren. Von den vielen legendären Geschlechtertürmen, sind nur noch zwei übrig: der eine ist 94 m hoch und der andere neigt sich bedrohlich zur Seite. Viele Touristen und Schulklassen sind unterwegs.




Um halb vier gehen wir zur Basilika zurück. Vor dem Eingang stehen zwei Soldaten mit Maschinengewehr. Der Grund ist ein Fresco im Inneren, auf dem das Jüngste Gericht dargestellt wird. Ein Detail zeigt den Propheten Mohammed, wie er vom Teufel gepackt wird. Da das von manchen Muslimen nicht toleriert wird, gab es in den vergangen Jahren schon zwei geplante aber vereitelte Sprengstoffanschläge auf die Basilika.
Die Piazza Maggiore ist sehr belebt. In einem tabacchi kauft Susanne Ansichtskarten und francobolli.


Mit einem Bus über Umwegen zurück zum Bahnhof und dann mit einem übervollen Regionalzug (es ist Freitag) zurück nach Castelfranco Emilia. Dort zum Lidl und gegen sieben sind wir wieder im B&B Il Melograno.
Sonnabend, 18. März 2023
Parma
9:00 Uhr Frühstück und wieder hingelegt. Gegen 11:00 Uhr zum Bahnhof in einen Ort namens Rubiera gefahren um dort das Auto am Bahnhof abzustellen. Allerdings ist dort heute Markttag und sämtliche Parkplätze in um das kleine Stadtzentrum sowie in Bahnhofsnähe sind belegt. Nach einer kleinen Extrarunde ergattern wir doch einen Platz unmittelbar gegenüber vom stazione und fahren mit dem Regionalexpress nach Parma. An der Bahngesellschaft trenitalia gibt es nichts auszusetzen. Die Züge fahren oft, sind modern, sauber und meistens pünktlich. Auch sind sie preiswert: Für unsere Fahrten nach Bologna und Parma bezahlen wir nicht mehr als in der Berliner S-Bahn.
In Parma braucht man nur zehn Minuten Fußweg bis ins historische Zentrum. Auf einem großen Platz begrüßt uns ein gewaltiges Monument, das dem Komponisten Giuseppe Verdi gewidmet ist, der aus dieser Gegend stammt. Ein paar Straßen weiter finden wir die Kathedrale von Parma, die auch wieder bis um drei geschlossen ist, sowie davor das eindrucksvolle achteckige Baptisteum. Letzteres ist ein Museum und kostet €12.- Eintritt. Bis um drei schlendern wir durch die Gassen der Altstadt, genießen ein gelato und einen Capuccino/Latte Macchiato vor einer Cafeteria, besuchen auf der Suche nach einem Klo ein einzigartiges bagnio im Untergeschoss eines Cafés und setzen uns in eine Kirche. Susanne kauft drei melograni für unsere Wirtsleute, da unsere Unterkunft so heißt. Nach dem Besuch der Kathedrale setzen wir uns noch auf die große piazza, genießen die Sonne und das bunte Treiben und fahren um fünf mit dem Regionalzug zurück nach Rubiera. Abendbrot holen wir uns beim Intercoop in Formigine. Susanne löst einen Großalarm aus, weil sie versucht, den Supermarkt über einen Notausgang zu verlassen.





Wir essen unseren Salat auf der Terrasse bis es uns zu kalt wird. Außer uns wohnt noch ein älteres Ehepaar aus Ungarn hier. Die Tochter unserer Gastgeber wohnt in Australien.
Sonntag, 19. März 2023
Modena
Frühstück und Pläuschchen mit der Wirtin und dann wieder eingeschlafen. Wir wollen nicht mit dem Auto in das Zentrum von Modena fahren und entschließen uns wieder mal bis zum nächsten kleinen Bahnhof diesmal in das nahe Sassuolo zu fahren. Leider ist Sassuolo gar nicht so klein und statt Bahn gibt es Schienenersatzverkehr. Dadurch lernen wir aber etwas genauer die Gegend kennen. Wir fahren also mit einem Reisebus, der etwa die doppelte Zeit wie der Zug benötigt, nach Modena Centrale, wo wir ja am Donnerstag schon mal kurz waren. Diesmal laufen wir die Corso Vittorio Emanuelle II bis zum Palazzo Ducale. Dahinter beginnt die Altstadt und auf der Piazza Roma findet heute ein großer Blumenmarkt statt. Nach ein paar Minuten stehen wir auf der Piazza Grande mit dem wirklich sehenswerten Dom zu Modena, einer romanischen Kathedrale aus dem 11. Jhrd. Das Besondere verbirgt sich hier im Inneren. Von Außen sieht sie aus wie eine von vielen, wenn auch schönen, italienischen Marmorkirchen – im Inneren beeindruckt sie durch ihre bescheidene, romanische, würdevolle Art im Gegensatz zur barocken Reizüberflutung der meisten anderen. Zurück zum Bahnhof kommen wir am Geburtshaus von Luciano Pavarotti vorbei und durchqueren einen schönen Park. Bis unser Bus um kurz vor sechs zurück nach Sassuolo fährt, essen wir bei McDonalds ein megagesundes X-large Crispy Burger Menü mit extra Bacon, Pommes und Coca Cola. Auf der Rückfahrt regnets.





Montag, 20. März 2023
Fahrradtour mit Hindernissen








Dienstag, 21. März 2023
Guiglia, Vignola
Frühstück war wie immer gut und ließ nicht zu wünschen übrig. Im Anschluss, auf vielen kleinen Fahrradwegen und zahlreichen Kreisverkehren, im Wohnumfeld, und Holgers unglaublichen, todsicheren Fahrtrouten durch das Strassengewirr, brachten wir die Räder wohlbehalten zurück zum Fahrradverleih. Unser Auto wartete auf dem Parkplatz dort, und wir fuhren direkt weiter Richtung Apennin. Wir hatten uns hochoben, nur über Haarnadelkurvacckas; ähnlich wie auf Sicilia, das Dörfchen Limina; erreichbar ein niedliches Nest mit Ritterburg, Guiglia. Eine schattenspendende Anhöhe führte zur Burg, welche geschlossen war. Wir umrundeten selbige und ruhten auf einer Schattenbank ein wenig aus. Alles um uns schien wie ausgestorben, keine Menschenseele zu sehen. Der verschlafene Ort war durch ein grosses Tor, von der Burg aus zu erreichen. Nun sagten wir uns aber, wenns denn ein Zeittor ist, kann es sein, dass wir unserm Henker genau in die Arme laufen. Ähm,nem,nem, sehen wir lieber, dass wir heile wieder wegkommen. Wir folgtem dem dortigen Wegweiser nach Vignola, fuhren den Berg wieder hinunter, die nächste Anhöhe wieder hinauf, vorbei an kleinen Weihern, großzügigen Feldern, mit hier und da einem halb verfallenem Gutshaus, oder einem im altem Stil aufgebautem Weingut mit dazu gehörigen Reben. Die Stadt kam etwas größer daher mit entsprechend etwas größerer Burg. Die kleine Gassen luden zum Flanieren ein. Da wir nun schon als Kirchgänger, zumindest der schönen alten Kirchen, bekannt sind, schlenderten wir auch in eine offenstehende Kirchentür hinein, und es war ein Gottestdienst im Gange. Wir stellten, bzw. setzten uns in die hintere Kirchenbank, denn scheinbar jeder war willkommen geheißen. Wir murmelten im Verein der Betenden, so gut wir konnten. Als die Gläubigen zur Entgegennahme der heiligen Hostien schritten, bekreuzigten wir uns eilig und suchten das Weite. Vor der Kirche, wartete der uns schon bekannte Leichenmaserati, welcher bei unserer Ankunft in der Kirche noch nicht da stand. Womöglich war dies ja ein Begräbnisgottesdienst, welcher auch mit auflockernden Gitarrenklängen untermalt wurde. Wir steuerten eine niedliche Gelateria an und fanden sogar eine noch freie Bank um das Eis der Sonne zuvorkommend aufzuschlecken. Am Anfang der Fußgängerstraße, stand ein riesiger Glaskasten mit dem zusammengefaltetem Autowrack, des Mafiarichters, Giovanni Falcone. Am 23.5.1992 hatte die Mafia, in einem Wasserrohr, unter der Autobahn bei Palermo, eine halbe Tonne Sprengstoff ferngezündet, in dem Moment als sich zwei gepanzerte Limousinen, mit Richter, Ehefrau und Leibwächtern, darüberfuhren. Um den Glaskasten standen gestern viele Menschen, nebst Polizei. Ein Park wurde von uns aufgesucht, wir diskutierten unsere weiteren Tagespläne. auf dem Rückweg zum Auto, sah ich übrigens in den totalverstopften Strassen, hier im Lande, hier in Vignola, den Leichenwagen, mit geschmückten Sarg drin, vorrüberfahren. Wir kauften noch Briefmarken und Karten und machten uns auf den steilen Heimweg. Conad Allmentari und relaxen vorm Zimmer unsere Unterkunft.





Mittwoch, 22. März 2013
Santuario Madonna di San Luca
Hoch über Bologna thront die Kirche des heiligen Lukas. Sie beherbergt eine Ikone, die viele Hunderte Jahre älter ist als die Basilika aus dem 17. und 18. Jhrd. Es handelt sich um ein Marienbildnis, das im 13. Jhrd. in diese Gegend kam und seit dem bis heute zum Ziel zahlreicher Pilgerreisen wurde. Jedes Jahr im Mai wird die Ikone in die Stadt hinunter getragen, weswegen man von1674 bis 1739 einen fast 4 km langen überdachten Säulengang zwischen Stadtzentrum und Basilika angelegt hat.



6 Kommentare zu „Emilia-Romagna – Primavera 2023“
Oje, einen Großalarm.
Was bedeutet Melograni?
Wir bringen dir einen mit.
Toller Bericht! Schöne Bilder!
Grazie mille!
Was denn da am 20. passiert?
Das Fahrrad sieht nicht gut aus.
Ansonsten klingt es nach einem schönen Urlaub.
Erzählen wir dir demnächst bei Kaffee und Kuchen.