Entlang der Ilm im August 2020

Entlang der Ilm im August 2020

Sonnabend, 08. August 2020

Velten – Großbreitenbach – Ilmenau

8.30 Uhr mit Elvis zur Tierpension „Moonriver Ranch“ nach Hohen-Neuendorf und ohne große sentimentale Verabschiedung weiter quer durch Berlin zum Frühstück bei Kullman’s Diner an der A9. Nach einem schweren Breakfast mit Spiegel- und Rührei sowie Toast, Würsten, Bohnen und Pommes sind wir bei 36°C Außentemperatur wieder auf der Autobahn Richtung Süden. Gegen halb drei sind wir in Großbreitenbach, um die Fahrräder entgegen zu nehmen. In Großbreitenbach wurde übrigens 1846 der spätere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bock geboren, was nicht einmal Susanne wusste, die immerhin die ersten zwanzig Jahre ihres Lebens in der Wilhelm-Bock-Straße in Weimar-Schöndorf gewohnt hat. Großbreitenbach ist typischer Erholungsort am Nordrand des Thüringer Waldes mit Schindelhäusern und steilen Straßen. Es gab nur E-Bikes für uns und wir waren erst etwas skeptisch, da wir keinerlei Erfahrungen mit diesen schweren High-Tech-Dingern hatten.

Nach den ersten Metern eine dieser steilen Straßen hinauf denkt man aber – „Wow!!“ – Was für ein Spaß! Man tritt in die Pedale und das Fahrrad zieht dich regelrecht den Berg hinauf. Susanne hat allerdings ein bisschen länger für ihren Wow-Effekt gebraucht. Unser Auto lassen wir bis Freitag hier und laden alles wichtige in die Gepäckträger-Taschen. Wir fahren auf einer ehemaligen Bahntrasse, die man zu einer Fahrradstraße um-asphaltiert hat, unsere erste Etappe bis nach Ilmenau. Es geht jetzt immer nur bergab, so dass man die meiste Zeit gar nicht mehr treten muss.

Halb sechs sind wir in Ilmenau. Die Reception des Garni am Kirchplatz ist nicht besetzt, wir sollen eine Nummer auf dem Receptions-Telefon wählen und dort man sagt uns, wir haben Zimmer Nummer eins und der Schlüssel steckt. Wegen der Hitze gehen wir erstmal duschen und dann zu Kaufland, um Zahnbürsten und -pasta sowie Getränke zu kaufen.

Sonntag, 09. August 2020

Ilmenau – Bad Berka

Gestern abend noch „Werner – Eiskalt“ auf Super-RTL geguckt und danach bei Mr. Bean eingeschlafen. Trotz der tropischen Nacht haben wir dank der nassen Handtücher vor dem Fenster ganz gut geschlafen. Heute früh um acht war uns der Frühstücksraum noch zu voll, also Frühstück um neun und Abfahrt Richtung Bad Berka um zehn. Erst ein Stück entlang der Ilm wie wir gestern angekommen sind und dann biegen wir ab. Die E-Bikes mit ihrem Antrieb nehmen jeder Steigung die Mühe – auch Gegenwind ist nicht wirklich Stress. Die Sonne brennt und wir fahren entlang des kleinen Flüsschens Ilm, deren weitläufige Aue (Ilm-en-Au) hier aber im Zuge der neuen ICE-Strecke zum Bau einer gewaltigen Brücke Anlass war. Bei einer ersten kleinen Pause lasse ich mal unsere kleine Drohne fliegen. Die Mähdrescher auf den Feldern hüllen sich in gelbe Staubwolken. Das Flüsschen neben uns ist zeitweise ein trauriges trockenes Flussbett. An einem der zahlreichen Pausenplätze machen wir kurz Halt und ich lege mir eine nasses Handtuch um den Nacken und auf die Glatze- wir haben wieder 35°C – im Schatten. Wenn der super asphaltierte und ausgeschilderte Radweg in Flussnähe verläuft, fahren wir im Schatten der Bäume, was angenehm ist – ab und zu biegt der Weg aber ab und wir sind gnadenlos der Sonne ausgesetzt. Wir kommen durch diverse Nester, die Cottendorf, Griesheim und Klein-Hettstedt heißen und erreichen um eins Kranichfeld, wo wir uns direkt unterhalb des Oberschlosses in einer Gastwirtschaft zwei alkoholfreie Pils und einen Eiskaffee gönnen. In Kranichfeld ist übrigens Susannes Oma Linchen geboren. Mit unseren Pedelecs flitzen wir die steilen Straßen zum Oberschloss hinauf (runter ist es uns nachher zu steil und wir schieben lieber) und kaufen uns dort zwei Eintrittskarten. Die Ursprünge des Schlosses gehen bis ins 12. Jhrd. zurück, 1934 gab es einen verheerenden Brand und seit Anfang der 1990er Jahre wird es wieder Stück für Stück saniert. Zwei Sagen im Zusammenhang mit dieser Burg drehen sich um eine „Weiße Frau“, der wir tatsächlich begegnet sind – sowie einen „Leckarsch“ (kann jeder selber googlen).

Halb vier erreichen wir Bad Berka und genießen die Dusche im Landgasthof Rank, wo wir auch die Akkus der E-Bikes aufladen dürfen (obwohl beide erst bei ca. 60%). Kurz Goethes bevorzugten Heilbrunnen besucht und dann gegenüber unserer Pension Gemüsepuffer mit Pfifferlingen und irgendein Fischbrötchen gegessen. Die geplanten Thüringer Klöße müssen wir auf morgen verschieben, denn es gibt in ganz Bad Berka an jeder Ecke sämtliche Gerichte aus Nah- und Fernost, sowie from all arround the world – aber keine Thüringer Klöße.

Um sieben donnert es gewaltig und wir erleben das überfällige Gewitter vom Laubengang unserer Pension direkt vor unserem Zimmerfenster.

Montag, 10. August 2020

Bad Berka – Apolda

Susanne geht vor dem Frühstück kneippen und um acht gehen wir in den Frühstücksraum um uns danach noch mal hinzulegen. Um zehn wollen wir starten aber draußen – regnet’s. Wir fahren zu Rossmann und holen uns zwei Regencapes, unter denen wir dann einigermaßen trocken bis Buchfahrt kommen, wo wir auf der schönen alten Steintreppe der schönen alten Feldsteinkirche auf das Ende des Regens warten. Nicht weit von hier liegt der Zeltplatz Oettern, wo wir uns vor 36 Jahren begegnet sind und das Schicksal seinen Lauf nahm. Der Himmel reißt auf und wir fahren in das Örtchen Oettern runter, um zu sehen, was vom Kirmesplatz noch übrig ist. Nicht viel, nur eine kleine Bühne und eine vor sich hin rottende Kegelbahn.

Weiter geht’s Richtung Weimar, wo wir uns in Belvedere mit Karin und Walter treffen wollten. Leider fängt es wieder an zu regnen und wir treffen uns mit ihnen bei einem Supermarkt-Bäcker in Oberweimar. Nach einer Stunde verabschieden wir uns herzlich nachdem Susanne ihrem Vater zwei Blumentöpfe aus dem Supermarkt geschenkt hat und fahren quer durch die gut besuchte Weimarer Innenstadt zurück auf den Ilmradweg Richtung Apolda. Der gesamte Radweg entlang der Ilm ist wirklich sehr zu empfehlen. Mehr als 90% sind asphaltiert und laufen abseits befahrener Landstraßen entspannt durch Auen, Wiesen und Felder. Allerdings sind hin und wieder Steigungen dabei, bei denen man von einem normalen Fahrrad absteigen müsste. Auf einem E-Bike kann man natürlich sitzenbleiben…

Auch in Apolda schaffen wir es nicht, ein Restaurant zu finden, in dem man Thüringer Klöße bekommt, deswegen holen wir uns Knackwurst und Bier bei Kaufland. Vorher machen wir noch einen Überraschungsbesuch bei Gerdas Jugendfreundin Christa, die sich sehr darüber freut.

Dienstag, 11. August 2020

Apolda – Bad Sulza

Susanne trifft sich um halb zehn mit ihrer Cousine Margit und deren Mann Martin auf dem Rathausplatz und ich lege mich nochmal hin. Halb elf stoße ich zu dem Familientreffen dazu und wir verabreden uns mit ihnen zu um zwölf an der Ölmühle in Eberstedt. Dort gibt es eine Art Freizeitpark mit schwimmenden Ferienhütten und einem Streichelzoo. Freundlicherweise haben sie uns jedem eine Rostbratwurst mitgebracht und wir zeigen uns gegenseitig Familienfotos. Gegen eins verabschieden wir uns und wir rollen runter nach Bad Sulza. Damit ist die letzte und kürzeste Etappe unserer Fahrradtour beendet.

Unsere Unterkunft ist das Gasthaus Bad Sulza direkt im Zentrum der Kurstadt. Die Räder können wir in der Hofeinfahrt unterstellen. Gleich gegenüber liegt der Kurpark mit Schwanenteich, Kneipp-Anlage und Trinkhalle, deren Zapfanlage aus der nahen Carl-Alexander-Sophien-Quelle versorgt wird. Die 6%-ge Sole kommt aus 370 m Tiefe und schmeckt wie kalte Brühwürfel-Brühe, soll aber gegen eine Reihe von Verdauungsbeschwerden helfen. Nach dem Duschen (wieder über 32°C draußen) und kurzem Mittagsschlaf gehen wir durch den Park entlang der Ilm zum Gradierwerk „Louise“, das ist aber gerade Baustelle. Langsam ist es Zeit fürs Abendessen und Susanne bekommt im „Restaurant zum Schwanenteich“ endlich ihre Thüringer Klöße. Ich esse Bratkartoffeln mit Pfifferlingen und Spiegelei. Anschließend laufen wir noch mal zu einem Supermarkt, um uns eine Tageszeitung zu kaufen denn auf unserem Zimmer geht das Wlan nicht. Abends haben wir den Biergarten des Gasthauses, da das Restaurant heute geschlossen ist, ganz für uns alleine und lesen Zeitung.

Mittwoch, 12. August 2020

Bad Sulza

Susanne geht kneippen und um neun gibt‘s Frühstück. Danach wieder eingeschlafen, denn es war eine tropische Nacht mit wenig Schlaf. Um elf gehen wir wieder in den Kurpark, machen eine Kneipp-Kur und trinken etwas von der Brühwürfel-Brühe. Bad Sulza entstand aus den Siedlungen Stadtsulza, Dorfsulza und Bergsulza. Später kamen noch Oberneusulza und Unterneusulza (aber erst 1949) dazu. Es ging also immer irgendwie um Sulz – äh, Salz. Zu DDR-Zeiten war es ein Erholungsort für die Beschäftigten der Wismut AG (Uran-Förderung für die Sowjets).

Nach dem Mittagsschlaf sehen wir uns die Stadt an und gehen in die Kirche des hlg. Mauritius, wo es schön kühl ist. Dort werden gerade die Bleiglas-Fenster restauriert und der Leiter des Fördervereins der Kirche beklagt den Vandalismus und fragt uns, ob er uns die Krypta zeigen darf. War ganz interessant: Es werden gerade unterirdische Flucht-Gänge freigelegt, die bis nach Auerstedt verlaufen sollen. Danach essen wir ein Eis und Susanne kauft sich bei NKD einen neuen Pulli und Socken(?). Noch einmal laufen wir zum Supermarkt und kaufen dort Tageszeitungen und Corona-Masken. Abends essen wir in unserem Gasthaus-Biergarten jeder einen Salat, lösen Kreuzworträtsel und gehen zeitig schlafen.

Donnerstag, 13. August 2020

Bad Sulza – Ilmenau

Am heutigen Tag steht schon die Zugfahrt von Bad Sulza nach Ilmenau an.Susanne geht nochmal kneippen, wobei im Wasser stehend auch der Yoga Sitz(Stuhl), mit Sonnengruß ausgeführt wird. So früh(7.00 Uhr), ist noch niemand im Kurpark unterwegs. Ich schlendere zurück, denn ich möchte Holger nicht warten lassen. Wir machen langsam, die Matratze ruft doch stark und Frühstück ist für 9.00 Uhr vereinbart. Lassen uns noch Zeit zum Rumtrödeln, der Zug fährt 11.21 Uhr auch ohne uns.

Wir sitzen dann doch drin und steigen in Neudietendorf um und können am Gleis auf unseren Anschluss warten. Die Fahrt geht vorbei an der schönen Thüringer Heimat, Hopfgarten, Vieselbach, Weimar, Erfurt sind Bahnhöfe, an denen ich gern ausgestiegen wäre, wiedermal. Ein andermal halt. Ich muss stark sein. Der Zug nach Ilmenau kam auch pünktlich und ein sehr moderner Bahnhof erwartete uns am Ende unserer Strecke. Wir waren sehr schnell durchs Städtchen zurück zu unserer altbekannten Unterkunft am Kirchplatz geradelt. Wir verstauten alles in Fahrradkeller und Zimmer und liefen los, früher Nachmittag. Holger hatte als Ziel zu Fuß, Brandenburger Seen in der Stadt ausgemacht mit Tretbootverleih. Aber oh weh, verpasste Gelegenheiten lauern an jeder Ecke. Am See angekommen, fehlte das nötige Bargeld. Wir saßen da und beobachteten Schwäne, eine Familie mit Jungtieren beim Fressen und sich putzen, Ein Kinderkarussell gab lustige Töne von sich, wenn eine Fahrt startete aber meist nur mit 2 Insassen. Ein kurzer Guss veranlasste uns zum zurückgehen, am Platz aßen wir lecker Chinasüppchen mit Gemüse und gebackenen Bananen. Unser Zimmer lag im oberen Stockwerk diesmal und wir hatten einen hübschen Blick über die Dächer. Es fühlte sich aber doch nicht so heiß an, da der Abend eher bewölkt ausfiel und des nachts ein Regenguss herniederdröschte, dass es nur so eine Art hatte.

Freitag, 14. August 2020

Ilmenau – Großbreitenbach – Velten

Wir starten die Rücktour von  Ilmenau nach Grossbreitenbach, vom GarniHotel, den Ilmradweg wieder zurück und freuen uns auf die Steigung der Strecke, da wir per Schaltung fahren, auf der stillgelegten Bahntrasse. Es nieselt leicht, und der Himmel zeigt sich bewölkt. Ca 60min und wir kamen an unserem Auto, welches herrlicherweise eine Woche auf uns gewartet hatte, wie auch Elvis in Hohen Neuendorf, ca. 18.00 kamen wir alle Am Tonbeg an.Hund gut – alles gut!

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